Vereinschronik

Chronik der KpFSG Wolfratshausen

Es gibt nur wenige und relativ ungenaue Unterlagen, die auf das Entstehungsjahr der Wolfratshausen Schützen hinweisen. Aus einer alten Chronik entnehmen wir folgenden Beitrag:

Wenn auch von den Anfängen der Gesellschaft nur spärlich Unterlagen vorhanden sind, so finden wir ab dem 16. Jahrhundert mehrere Schriftstücke, die die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen de einzelnen Landesfürsten überstanden haben.

In einem noch gut erhaltenen Dokument aus dem Jahr 1594 ist zu lesen, dass die Wolfratshauser Stachel- und Pixenschützen die alte verfallene Schießstätte wieder aufgebaut haben und bitten den Landesherren um eine Spende in form von Hosentüchern. Diese Bitte wurde erfüllt, auch in den darauffolgenden Jahren. Die Berechtigung, Hosentücher des Landesherren auszuschießen war nur privilegierten Gesellschaften vorbehalten. Zu diesem Kreis zählt auch die Wolfratshauser Gilde.

Aus dem Jahr 1618 stammt die umfangreiche Spezifikation über den Bestand an Waffen und Geräten und läßt eine sehr aktive Schützentätigkeit erahnen. Es sind auch Waffen aufgeführt, die der regionalen Verteidigung dienen. Seit Bestehen der Gilde gehört auch der Schutz des Marktes gegen Einwirkungen von außen zu den Aufgaben der Schützen.

In den folgenden Jahren ist die Wolfratshauser Schützengilde unter den „privilegerten“ in den amtlichen Vortl-Listen aufgeführt.

Auch in dem Schreiben anno 7. Oktober 1796 vom Bayerischen Kurfürsten Karl Theodor an sämtliche Haupt- und andere althergebrachte privilegierte Schießstädte in den Bayerischen Erbstaaten, in dem eine neue Schützenordnung verteilt wird, gehört die Wolfratshauser Gesellschaft zu den 29 privilegierten.

Anlässlich der Erstellung einer neuen Schießstätte in Farchet wird am 9. Juni 1865 von der Königlichen Regierung von Oberbayern die Bewilligung zur Aufstellung eines Glückshafens zur Bestreitung der Kosten für die neue Schießstätte erteilt.

Mit dem Schreiben vom 26.November 1868 teilt die privilegierte Schützengesellschaft Wolfratshausen dem königlichen Bezirksamt München rechts der Isar mit:

Auf der Generalversammlung am 25.November 1868 wurden von den anwesenden Schützenmitgliedern folgende Beschlüsse gefasst:

  1. Die Allgemeine Schützenordnung für das Königreich Bayern vom 25. August 1868 wurde von den anwesenden Mitgliedern mit absoluter Mehrheit angenommen und sie tritt daher mit dem 1. Januar 1869 für die privilegierte Schützengesellschaft Wolfratshausen in Kraft.
  2. Da die Gesellschaft aus mehr als 21 Mitgliedern besteht, so hat man zugleich einen Ausschuss von 7 Mitgliedern und 3 Ersatzleuten gewählt, deren Wirksamkeit ebenfalls mit dem 1.Januar 1869 beginnt.

Namen der Ausschussmitglieder:

  1. Andreas Steger
  2. Max Ferstl
  3. Sebastian Kellerer
  4. Michael Weber
  5. Georg Noderer
  6. Lorenz Bonradl
  7. Georg Lautenbacher

Namen der Ersatzleute

  1. Adolf Hezner
  2. Georg Bartl
  3. Otto Schoch

Am 20. Dezember 1868 schreibt der Bezirksamtmann Ritter v. Grundner an der Landgerichtsassessor Herrn von Lengrieser:

Nachdem die Schützengesellschaft Wolfratshausen die allgemeine Schützenordnung als Statut anerkannt hat, wird Herr von Lengrieser in widerruflicher Weise mit dem Schützenkommissariat betraut mit der Maßgabe, das öffentliche Interesse mit Würde zu wahren und das staatliche Aufsichtsrecht mit Ernst und weiser Umsicht zu handhaben.

Jetzt darf sich die Gesellschaft mit der Anerkennung der Schützenordnung nach Allerhöchster Verordnung vom 25. August 1858 „königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft“ nennen.

Schützengedenkmünze:

Herr königl. Obersekretär Adalbert Krämer erhält am 12. April 1911 von der Geheimkanzlei Seiner Königl. Hoheit des Prinzregenten Luitpold folgendes Schreiben:

Seine Königliche Hoheit der Prinzregent haben sich Allerhöchst bewogen gefunden, der

Königlich privilegierten Schützengesellschaft Wolfratshausen eine Schützengedenkmünze allergnädigst zu verleihen, welche anreichend übersendet wird.

Diese Gedenkmünze ziert als Kernstück die wertvolle Schützenkette der Königl. Privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen. Wir haben die Gedenkmünze auch zum Zeichen unserer Gesellschaft gewählt. Briefkopf, Festschriftumschlag, Vereinszeichen, Leistungs- und Königszeichen werden nach dieser Gedenkmünze geprägt.

Aus einem Schreiben aus dem Jahre 1907 der Königl. privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen an den Magistrat der Marktgemeinde Wolfratshausen sowie verschiedenen anderen Hinweisen kann entnommen werden, dass die Königl. Privilegierte Schützengesellschaft auch das Privileg durch Einzelverleihung besitzt. In dem Schreiben wird u.a. auch aufgeführt:

Leider befanden sich bei dem großen Brand 1619, der dem Marktflecken Wolfratshausen seinerzeit betroffen hatte und bei welchem sehr viele wertvolle Aufzeichnungen zugrunde gingen, auch solche von der Königl. Privilegierten Schützengesellschaft darunter. Es kann daher das genaue Entstehungsjahr der Gesellschaft nicht mehr nachgewiesen werden, aber Immerhin steht fest, dass sie zu den drei Ältesten vom ganzen Königreich gehört. Die Berechtigung den Titel – Privilegierte – zu führen ist urkundlich konstatiert.

Die Titelverleihung, welche eine sehr hohe, aber auch sehr seltene Auszeichnung war, wurde der Gesellschaft, zur dortigen Zeit noch Gilde genannt, dadurch zuteil, dass sich die Mitglieder in einer hervorragenden Weise bei einem, dem Markt Wolfratshausen drohenden Elementarischen Ereignis, hilfreich beteiligten und somit beitrugen, dass der Markt nicht ganz dem Untergang geweiht war. Diese heroische Tat wurde von dem damaligen Landesfürstenmit obiger Titelverleihung belohnt. Dass sich die Gesellschaft in späteren Zeiten fürstlicher Gunst erwiesen hatte, zeigt die Gewährung von Hosentüchern auf Kosten der Landesherren.

Unter dem Vorbehalt des gesellschaftlichen Eigentumsrechts leisten die Verantwortlichen der Königl. Privilegierten Schützengesellschaften am 18. August 1913 einen ganz besonderen Beitrag für die Zukunft mit der Übergabe von 12 wertvollen alten scheiben an das Marktmuseum Wolfratshausen. Diese stellen heute einen wichtigen historischen Bestand aus dem 19. Jahrhundert dar.

Viele schützensportliche und festliche Anlässe gibt es auf der Schießstätte bis in die 30er Jahre. 

Prinz Alfons von Bayern, als Schirmherr der privilegierten Schützengesellschaften Bayerns, war oft Gast bei der Königl. privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen. Mit der Isartalbahn von München kommend wird er nach einer Einkehr im Humplbräu von Hans Fagner mit der Kutsche zur Schießstätte gefahren.

Ruhen der  Gesellschaft

So manche Königs- und Jubiläums-, Hochzeits- Taufscheibe usw. zeugt von freudigen Anlässen, die in Schützenkreisen entsprechend gefeiert werden.

!935 muss die Standanlage in Farchet aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden. Für die Königl. privilegierte Schützengesellschaft Wolfratshausen, wie auch für viele andere Vereine 

ist 1935 ein schicksalschweres Jahr, da ihr aus politischen Gründen die Vereinstätigkeit untersagt wird. Man hat zwar der Gesellschaft die Gleichstellung angeboten, was aber dem Verzicht des Privilegs gleichkäme. Dem politischen Druck wird nachgegeben, die Mitglieder entscheiden jedoch, die Gesellschaft ruhen zu lassen.

Es muss hierzu erwähnt werden, dass der Königl. Privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen pro und contra politisch eingestellte Mitglieder angehörten. Die Schützenkette und die Vereinsbücher werden vom 1. Schützenmeister Georg Schwankl und Schriftführer Josef Hieber den Magistrat des Marktes Wolfratshausen übergeben und sollen als Grundstein bei späterem Wiederaufleben der Vereinstätigkeit zur Verfügung stehen. Durch die Kriegswirren gehen alle Schriftstücke verloren, jedoch die Kette – in einem unbeachteten Versteck – bleibt erhalten.

Ein Abschnitt aus dem Wolfratshauser Tagblatt vom Jahre 1935 über die Königl. privilegierte

Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen berichtet:

„………aus diesen wenigen geschichtlichen Angaben geht immerhin hervor, daß der Feuerschützenverein der Patriarch unter allen Vereinen Wolfratshausens ist. Wenn er gegenwärtig auch nicht mehr besonders in Erscheinung tritt, so ist doch die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß er bei gegebener Gelegenheit zu neuer Blüte entsteht“.

Die Gesellschaft ruht bis 1963. 

Wiederanerkennung des Privilegs

1962 wird die Kleinkalibervereinigung unter maßgeblicher Initiative von Erich Brockard gegründet, weil keine qualifizierten Unterlagen von der ruhenden Königl. Privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen verfügbar sind. Die Bemühungen auf Wiedererlangung des Privilegs laufen an. Fünf Mitglieder der alten Gesellschaft beschließen am 25. August 1963 die Weiterführung der Königl. privilegierten Feuerschützengesellschaft. Bereits am 30.Aug. 1963 wird eine Versammlung im Cafe Zunderer einberufen, in der eine Vorstandschaft gewählt und das Betreiben auf behördliche Anerkennung beschlossen werden. Hier ist auch der der Einsatz von Erich Brockard und Georg Hoffischer hervorzuheben.

Dass sich die behördliche Genehmigung 16 Jahre hinzieht, hat niemand erwartet. Ein hartes Ringen mit Höhen und Tiefen war nur mit Hilfe unseres damaligen Landtagsabgeordneten Dr. Edmund Stoiber zum positiven Abschluss zu bringen.

Mit dem Schreiben Nr. C6 – 2022/15-5 vom 26. Juli 1979 des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren erhalten wir die Mitteilung, dass wir berechtigt sind, den Namen  „Königl. privilegerte Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen“ zu führen.

Dr. Stoiber schreibt abschließend zu dem Verfahren:

……“was lange währt, wird endlich gut und wenn man dieses zwar alte abe oft sehr wahre Sprichwort passend anwenden kann, dann bestimmt im Zusammenhang mit den Anerkennungsbemühungen der Königl. privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen.

Eine fast endlos scheinende Phase zwischen Hoffen und Bangen hat damit ihr positives Ende gefunden und es bereitet mir besondere Genugtuung, dass ich dazu beitragen konnte, gerade einer Wolfratshauser Vereinigung zu diesem guten Ergebnis zu verhelfen….

Die Königl. privilegierte Feuerschützengesellschaft heute

Wenn die Historie auch alt ist und sich über mehr als 7 Jahrhunderte erhalten konnte so sind   zwar die Bemühungen um die Wiederanerkennung des alten Privilegs und der Aufbau der neuen Schießstätte (ab 1962) noch sehr jung, aber es galt, große Probleme zu bewältigen.

Mag sein, dass es für die „Alten“ schwer war, wenn es wieder einmal galt, die Schießstätte zu verlegen, weil der Ort zu nahe an den Gefahrenbereich heranrückte.

Seinerzeit gab es genügend Platz weiter draußen für eine neue Anlage, wenn auch die Finanzierung schwieriger war. Heute ist es umgekehrt.

Nach intensiver Suche konnten wir das städtische Gelände an der Geltinger Straße in Erbpacht erwerben. Es war der 32. Standort, den wir überprüften.

Wie sich heute zeigt, ist dieser Platz auch der geeignetste.

In fünfjähriger Bauzeit erstellten die Kameraden eine Schießstätte (2/3 davon in reiner Eigenleistung!) die sich im Oberland sehen lassen kann. Zwölf 100m Stände für KK und GK Gewehr waren der Anfang.

Bereits 5 Jahre später erfolgte der Erweiterungsbau für 6 Stände der 25m KK-Pistolenanlage.

In dem gemütlichen Lokal sowie in der Schützenstube fanden die Versammlungen

und alle sonstigen Schützenkameradschaftlichen Treffen statt.

Viele schöne und wertvolle Scheiben zieren die Schießstätte und zeigen einen Überblick über die Aktivitäten der Gesellschaft.

Am 31.Mai 1987 fand die Weihe der neuen Fahne statt, dies war mit einem großen Fest verbunden. Patenverein ist die Gebirgsschützenkompanie Wolfratshausen.

Die Gesellschaft kann beachtliche sportliche Erfolge bei Gau-, Bezirks-, Oberbayrischen, Bayrischen und Deutschen Meisterschaften vorweisen, gerade durch zahlreiche neue Schießdisziplinen in den letzten Jahren.

Seit der Wiedergründung wurde die Feuerschützengesellschaft von mehreren Schützenmeistern geleitet. Es waren dies Erich Brockard, Werner Böhnl, Siegfried Reule, Franz Heidl, Friedhelm Böger, Rainer Sibert, Otto Kaiser und seit Nov. 2012 Helmut Michel.

Im Jahr 2013 fand in der Loisachhalle der Stadt Wolfratshausen mit mehr als 200 Gästen, darunter zahlreiche Ehrengäste wie Dr. Edmund Stoiber mit Frau Karin, Prinz Ludwig von Bayern und mehrere Vertreter der Stadt, des Landkreises und der angrenzenden Gaue die Feier zum 700 jährigen Jubiläum statt. Dieses wurde gleichzeitig mit dem 60-jährigen Wiedergründungsjubiläum gefeiert. Die Feier war ein großer Erfolg und ist vielen in schöner Erinnerung geblieben. Auch zu diesem Anlass wurde eine Gedenkmedaille geprägt. Sie fand besonders in Feinsilber großen Anklang und ist auch heute noch erhältlich.

Seit 2012 hat sich die Zahl der Mitglieder von ca. 250 auf 310 im Jahr 2020 erhöht, was auch auf die Einführung eines weiteren Schießtages und der Erweiterung des Angebotes an Schießdisziplinen zurückzuführen ist.

 Im Jahr 2019 wurde mit der Planung eines Umbaus der Langwaffenschießanlage auf elektronische Stände begonnen. Der erste Abschnitt wird im

Frühjahr 2020 abgeschlossen sein. Auch hier erhoffen wir uns beim Langwaffenschießen einen größeren Zulauf. Damit haben wir eine der modernsten Schießanlagen im Oberland.

Geplant ist auch der Umbau der Kurzwaffenanlage, um den höheren gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. Dies nahm den Anfang vor 10 Jahren, als der Einbau einer aufwändigen Lüftungsanlage für den Kurzwaffenstand erforderlich wurde. Auch hier konnte wieder vieles

nur mit hohem Einsatz der Mitglieder erreicht werden.

Der aktuelle Vorstand besteht aus folgenden Mitgliedern:

  1. Schützenmeister Helmut Michel
  2. Schützenmeister Michael Vizzini

Kassier                  Andreas Reiche

Schriftführerin    Anja Baumgartner

1.Sportwart Pistole  Konrad Wolf

2.Sportwart Pistole  Horst Baumgartner

Sportwart Gewehr  Josef Dietsche

Gesellschaftsausschuß: 

Sigbert Diessl, Horst Reiche, Franz Antoch, Gisela Rauh, Burkard Christ, Martin Paulusch, Erik Waldeck, Thomas Meszaros, Dirk Mackert.

Bezugsquelle:

Schützenjahrbuch Gau 1986, Archiv KpFSG Wolfratshausen

historische Quellen Georg Hoffischer, Christian Steeb

1.SM Helmut Michel